Auf Gottes OP-Tisch

Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: „Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – aber auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen – damit die Überlegungen aus vielen Herzen offenbar werden.“ (Lukas 2,34-35)

Na das ist ja ein sehr schöner Segen! So einen Segnungstext hab ich ja noch nie in einer Kirche gehört! Dass ein Schwert unsere Seele durchbohren wird?! Amen! Das ist genau, was wir hören wollen… Für uns bedeutet „Segen“ heutzutage doch nicht, dass wir mit der Wahrheit konfrontiert werden, die „uns zu Fall und zum Aufstehen“ bringen wird und die wie ein Skalpell unsere Seele operiert!

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. (Hebr 4,12)

Wir wollen gesegnet werden, wie wir gesegnet werden wollen und nicht, wie Gott uns segnet, indem er uns aus der Finsternis ins Licht und aus der Lüge in die Wahrheit schafft! Wir wollen den „Wellness-Segen“, in dem es ausschließlich um uns und unser Wohlbefinden geht und nicht gleich auf Gottes OP-Tisch landen!

Wir sehen in Johannes 2 auf der Hochzeit zu Kana die konfliktgeladene Situation zwischen Mutter Maria und ihrem Sohn. „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?“ sagt Jesus zu ihr (Vers 4). Kling ja nicht eben christlich… Später wollen Maria und seine Brüder Jesus einfangen, weil sie ihn für verrückt halten! Und er lässt sie draußen vor der Türe stehen…

Ja, auch Maria hatte so ihre Vorstellungen, wie Jesus sich als „Christus“ zu benehmen hätte. Alle hatten darüber ihre Ansichten und haben sie auch heute noch, denen der echte Jesus aber nicht entspricht – damals nicht und heute auch nicht. Er ist, der er ist und nicht der, den wir haben wollen, um ihn für unsere Zwecke zu gebrauchen. Er war und ist ein Skandal.

Der echte Jesus ist jenseits unserer Meinungen und Vorstellungen, er ist frei mit einer Freiheit, die man auf Erden weder finden noch denken kann. Er ist „höher“ als die Erde – soviel der Himmel höher ist als sie. Sobald wir aufhören, ihn in unsere irdische „Box“ sperren zu wollen und für unsere religiösen Geschäfte einzuspannen, wird er uns an der Hand nehmen und mit uns den Aufstieg auf den Berg Gottes beginnen, wo wir ihn in einer unfassbaren Art und Weise zu sehen bekommen, wie einst die Jünger auf dem Tabor (Mt 17, Mk 9, Lk 9, 2 Petr 1,16-18). Dort leuchtete Jesu Gesicht wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß und transparent. Das erschienen ihnen Elia und Mose, da überschattete den Berg die göttliche Herrlichkeitswolke (Shekinha) und Gott sprach aus ihr zu ihnen. Dort war ihnen dieses Maß an Offenbarung des wirklichen Jesus dermaßen zu viel, dass sie ohnmächtig wurden… Petrus, Jakobus und Johannes. Oha!

Ja, da erfuhren sie etwas von der Qualität und dem Maß an LICHT, welches Jesus uns bringt. In diesem blendend hellen, durchscheinenden Licht wird alles sichtbar, wie und was es wirklich ist. Selbst die innersten und verborgensten Gedanken der Herzen werden offenbar. Nichts ist den Menschen und der Welt jedoch unangenehmer als das. In der Wahrheit zu leben, das braucht ja so viel „Buße“, so große Aufmerksamkeit, so viel Integrität. Das überfordert uns völlig, so dass auch wir lieber abschalten wie die Jünger auf dem Tabor.

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