Schon wieder Engel!

Und es waren Hirten in derselben Gegend, die auf freiem Feld blieben und des Nachts Wache hielten über ihre Herde. Und ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie, und sie fürchteten sich mit großer Furcht. (Lukas 2,8-9)

Wie schon bei den Engelsbegegnungen von Zacharias und Maria in Kapitel 1, fürchten sich die Menschen erneut bei ihrem Erscheinen „mit großer Furcht“. Das ist wichtig für uns, denn erstens haben die Engel nicht aufgehört, zu erscheinen und zweitens könnte es auch bei uns für mächtige Irritation sorgen.

Nun wollen wir natürlich – wenn überhaupt – nur „schöne“ Engelsbegegnungen haben, in denen es um die Erfüllung unserer Wünsche und Pläne geht. Weder möchten wir, dass sie uns eine undenkbare Schwangerschaft ankündigen, noch dass sie uns auf unserer Arbeitsstelle (hier die Hirten in der Nachtwache) heimsuchen (Können die nicht zu anständigen Zeiten auftauchen? Gerne mit vorheriger Terminabstimmung…), noch mitten in der Nacht in irgendeine Stadt geschickt werden, um im Dunkeln einen Stall zu suchen mit einem Kind in einer Krippe? Was macht denn auch ein Kind in einer Krippe in einem Stall? Abgefahren! Sollten wir nicht die Polizei informieren?

Und wir haben Nachtwache! Wir können doch nicht einfach unseren Arbeitsplatz verlassen? Wir können jetzt aber auch keinen Kollegen rausklingeln! Mit welcher Begründung denn? Das uns der Weihnachtsengel erschienen ist? O dieser Engel bringt uns sowas von in Probleme! Ob das wirklich von Gott ist?

Und überhaupt, wir sind doch nur Hirten. Hallo! Das ist doch wohl ganz was für Experten! Für die Priester und Schriftgelehrten. Wo sind sie? Warum in aller Welt sollte ein Engel zu uns Laien kommen? Warten wir lieber erst mal ab, was die Gemeindeleitung dazu sagt. Und die werden bestimmt noch den Verbands-Vorstand konsultieren, um sich Rückendeckung zu holen, denn diese Geschichte kann heftig nach hinten los gehen! Was wenn die Leute auf einmal anfangen, auf Engel zu hören? Gott bewahre!

Der Engel und die Herrlichkeit des Herrn brechen unvermittelt in die Routine der Hirten ein. Sie haben keinen Referenzpunkt für so etwas, können auf keine bereits gemachte Erfahrung zurückgreifen, haben in ihrer Seele keine Idee, keine Diagnose noch Prognose über das, was vor sich geht und ihnen widerfährt. Also fürchten sie sich… sie sind wie gelähmt und wissen sich nicht zu verhalten. Ist das ein guter oder ein schlechter Engel? Werden sie jetzt „heimgeholt“ oder was? Was würde denn uns durch den Kopf gehen?

Wir haben nun bereits die dritte Engelserscheinung im Lukasevangelium und weitere werden folgen. Wie gehen wir damit um? Müssen wir die Engel nicht von Jahrhunderten religiöser Verzerrung und Verstaubung befreien? Müssen wir nicht Gott bitten, uns eine ganz neue Offenbarung über das Wesen und den Dienst der Engel zu geben? Ist ein Engel-freies Leben als Christ und noch mehr, als Gemeinde, überhaupt vorgesehen? Das Neue Testament liefert uns für so eine Annahme keine Grundlage! Überhaupt bliebe von den Evangelien und der Apostelgeschichte nicht sehr viel übrig, wenn wir die Engel herausrechnen. Warum tun wir es? Nun, weil wir die Engel fürchten, denn sie vertreten ein Reich und eine Agenda, die nicht unter unserer Kontrolle stehen und die sich nicht nach unseren Vorstellungen und Vorgaben richten, genauso wenig wie Gott und der Himmel und die Wirklichkeit, denen sie dienen.

Die Hirten gehen mit dem Besuch des Engels in die Geschichte ein, sie sind offenbar die einzigen, die an Weihnachten Zeit haben und noch wach sind. Sie folgen tatsächlich der Anweisung des Engels und gehen nach Bethlehem und finden den Stall mit Joseph, Maria und dem Kind. Und sie sind die ersten Evangelisten, denn sie „machten das Wort bekannt, das über dieses Kind zu ihnen geredet worden war“ (2,17).

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