Schwere Geburt

Und auch Joseph … ging hinauf nach Judäa, in Davids Stadt, die Bethlehem heißt …, um sich einschreiben zu lassen mit Maria, seiner Verlobten, die schwanger war. Und es geschah, als sie dort waren, wurden ihre Tage erfüllt, dass sie gebären sollte und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, wie in der Herberge kein Raum für sie war. (Lukas 2,4-7)

Die Schwangere muss eine beschwerliche Reise hinter sich bringen, dann wird kein Platz für sie gefunden und sie muss ihr heiliges Kind in einem Stall bekommen. Na großartig! Auf der einen Seite zeigt es mir, dass die Welt keine Zeit und keinen Platz für dieses Kind hat, auf der anderen wirft es für die geplagte Maria die Frage auf: „Warum lässt Gott das zu“? Das ist doch JESUS, mit dem sie schwanger ist! Der Messias. Das ist das göttliche Kind! Und doch muss Maria diesen Weg nach Bethlehem gehen und doch muss sie erleben, dass kein Platz für sie da ist und sie in einem Stall gebären muss. Uff! Ja, das ist ja wirklich was für die „Begnadete“!

Immer wieder meinen wir, wenn etwas von Gott ist, wenn er uns Verheißungen und Gaben gibt, dann müsse es LEICHT sein. Dann würde der Weg geebnet und alles wie geschmiert laufen. Aber dann passiert genau das Gegenteil und wir zweifeln, ob Gott wirklich zu uns gesprochen hat, ob wir wirklich in seinem Willen sind, ob wir wirklich etwas von ihm empfangen haben, usw..

Wir werden noch sehen, dass Gott diesen Stall auf seine Weise zu einem Heiligtum macht und Leute hinführt, mit denen niemand rechnet. Er würde Maria die Kraft geben, unter diesen Umständen eine Geburt hinzulegen. Was im Unsichtbaren für ein Krieg um diese Geburt tobt, dass kann und muss Maria nicht wissen. Und auch wir wissen es oft nicht und nehmen alles persönlich, als ginge es immer nur um uns und nicht um höhere Absichten, Prozesse und Konflikte.

Genau so und nicht anders musste der Messias geboren werden, und in Bethlehem musst es sein, so stand es in den Propheten geschrieben, wie die Schriftgelehrten es später Herodes mitteilen werden, der sogleich seine Häscher losschickt, das Kind zu erledigen. Aber es war in keiner Herberge zu finden… und Gott warnte Joseph in einem Traum, was dann zur nächsten beschwerlichen Reise (Flucht) führte…

So begann es. Kein Kreißsaal, keine Hebamme, nicht im Tempel, nicht im Schoße der Synagoge, ohne jeglichen religiösen Kontext. Nüchtern, abseits, bedrängt und verborgen. Wahrlich ist Jesus uns „in allem gleich“ geworden, mit seiner Geburt ging es los. Denn die Mehrheit der Menschen wird nicht unter hygienischen Bedingungen in sterilen Rahmenbedingungen geboren.

Unsere komplette Weihnachts-Verklärung mit Punsch auf dem Weihnachtsmarkt und Krippenspiel in der Kirche ist wie ein Hohn angesichts der wirklichen Geburt des wirklichen Jesuskindes in einem wirklichen Stall mit Dreck und Fliegen, der übrigens nicht im Schwarzwald war.

Dass wir diesen umkämpften Anfang der Geschichte Jesu voller Bedrängnis, Stress, Kinder-Massenmord und Flucht zu einem riesigen Geschäft gemacht haben, was sagt das über uns aus? Wir beschenken einander, aber ist es nicht JESUS, der Geburtstag hat? Was wünscht sich denn der? Niemand fragt danach… Grad an Heiligabend haben wir nun wirklich keine Zeit dafür. Und wieder ist kein Platz für ihn in der Herberge… ist ja Weihnachten, sie ist längst ausgebucht.

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