Stark werden im Geist

Das Kindlein aber wuchs und erstarkte im Geist und war in der Einöde bis zum Tag seines Auftretens vor Israel. (Lukas 1,80)

Der letzte Vers in Kapitel 1. Ein langer Abschnitt!

Das genannte „Kindlein“ ist Johannes der Täufer, über den in den Versen zuvor von seinem Vater Zacharias prophezeit worden war. Wohl dem Kind, dessen Vater in der Lage ist, über ihm zu weissagen!

Interessant, dass dieses besondere und göttliche Kind nicht in die Obhut der Schriftgelehrten und auch nicht auf eine theologische Hochschule geschickt wurde. Nun, sein Vater war Priester und konnte dem Kind selbst alles beibringen, dennoch ist es interessant, dass das Kind in der „Einöde“ blieb, also „irgendwo im Nirgendwo“, bis es sich Israel zeigte. In Kapitel 3,2 lesen wir „dass das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, geschah – in der Wüste.“

Die Bibel ist voll von Wüstenerfahrungen und den besonderen Begegnungen, die Menschen dort mit Gott hatten. In der Wüste ist man naturgemäß sehr unabgelenkt, es gibt im Außen nicht so sehr viel zu sehen und zu tun, also richtet ein Mensch sich nach Innen und kultiviert seine Innenwelt. Das tat Johannes. Er erstarkte im Geist. Eine andere Übersetzung liest: „Er gewann Halt im Geist.“ Er gewann nicht Halt im Geld, im Geschäft, in der Bildung, in der Arbeit, in der Habe, nein, er gewann Halt im Geist.

Für uns moderne und materialistisch gesonnene Menschen ist es nicht leicht, die Orientierung vom Außen zum Inneren hin zu verlegen und uUnser Herz zu finden, unsere innersten Motive und hintersten Gedanken zu erforschen, Erleuchtung zu erlangen. Genau dazu verhilft uns der Geist, er öffnet unsere inneren Augen des Herzens, damit wir sehen, was wirklich los ist in uns. Könnte sein, dass es die Hölle ist, sollte aber der Himmel sein… Unter der Anleitung des Geistes ziehen wir die Hölle aus und den Himmel an. Wir werden neue Menschen. Man kann sich sehr gut über seinen wirklichen Zustand hinwegtäuschen mit Geschäftigkeit und Ablenkung im Außen. Aber nicht in der Wüste…

Der Geist führt uns in die Einöde. Wir würden ihn gerne dazu kriegen, dass er sich unserer Finanzen, Geschäfte, Habe und Image-Pflege annimmt, damit wir stark sind im Außen, in der Karriere und vor den Augen der Menschen. Auch als Gemeinde. Aber nein, der Geist führt uns in die Wüste, in die Absonderung, in die Inspektion, denn er will wissen, wie es um unser Inneres bestellt ist und dort Licht machen und Frieden schaffen. Werden wir innen stark, werden wir es auch außen, denn wie Innen, so Außen.

Viele bedeutende Diener Gottes waren ganz einfache Menschen, angefangen mit den Jüngern, die Fischer waren. Von ihnen heißt es in APG 4,13: Als sie (die Obersten, Ältesten, Schriftgelehrten und Hohenpriester – also die religiöse Elite) aber die Freimütigkeit des Petrus und Johannes sahen und bemerkten, dass es ungelehrte und ungebildete Leute seien, verwunderten sie sich.“ Nicht einmal PETRUS war ein Akademiker! Sie waren jedoch in der Lage, in einer Art und Weise zu beten, dass die Erde bebte und der Heilige Geist auf die Versammlung fiel, wie es wenige Verse weiter beschrieben wird! So etwas lernt man nicht im Bibelseminar, sondern in der Einöde, wo man ungeteilte Aufmerksamkeit und jede Menge Zeit hat, sich auf Gott einzulassen – mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und aller Kraft.

Wollen wir wie Johannes wachsen und im Geist erstarken, gibt es an dieser Stelle keine Abkürzung. Selbst Jesus führte der Geist in die Wüste (Lukas 4,1).

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