Die Aufgabe des Propheten

Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Angesicht des Herrn hergehen, seine Wege zu bereiten, um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden. (Lukas 1,76-77)

Kinder, was für eine Aufgabe! Ich weiß ja nicht, was wir uns so alles unter einem „Propheten des Höchsten“ vorstellen. Hier jedenfalls wird der hohe Titel einem Neugeborenen mitgeteilt und wunderbar definiert, worin die Aufgabe des Propheten besteht: Vor dem Angesicht des Herrn herzugehen ist das erste.

Der Prophet steht vor dem Herrn, denn dorthin soll er dem Volk ja den Weg bahnen, dass auch es „in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm steht“ (V. 75). Der Prophet stellt also nicht einen riesigen Abstand zwischen sich und dem Volk her, um eine Klasse für sich zu sein. M. E werden an dieser Stelle heute große Fehler gemacht, religiöse Fehler. Denn es ist eine religiöse Eigenart, Trennungen zu schaffen und Hierarchien zu bilden. Da steht dann der Prophet ganz weit oben und ist ganz alleine in der Lage dazu, Gottes Stimme zu hören. Nicht so im Neuen Testament. Da werden wir alle erlöst, um alle vor Gott zu stehen und alle seine Stimme zu hören.

Der Prophet ist im Neuen Bund kein Vorsteher mehr, keine Ausnahme und kein Sonderfall, sondern ein Wegbereiter. Denn das Volk weiß gar nicht, dass Gott ihm die Sünden vergeben und es damit legitimiert hat, vor ihm zu stehen und ihn anzuschauen – von Angesicht zu Angesicht. DAS ist das Ende der Religion, und der Beginn der Verwandlung in sein Bild, wie es dem Menschen von Anbeginn bestimmt war. Halleluja! Religion hat noch nie jemanden verwandelt, aber der geistgewirkte Anblick Gottes, der transformiert uns. Wir können unmöglich Gott so nahe kommen, vor sein Angesicht, und die Gleichen bleiben.

Der neutestamentliche Prophet geht also „vor dem Angesicht des Herrn her“, um einen Weg zu bahnen, wo dieses Angesicht – die Präsenz Gottes – und das Volk Gottes einander begegnen. Dann hat er seine Aufgabe erfüllt, dann braucht es ihn an sich nicht mehr. Er muss den Leuten klar machen, dass die Sünde, deren Wirkung die Trennung von Gott ist, aus dem Weg geräumt wurde von dem Erlöser und sie nun in die ursprüngliche Position vor Gott zurückkehren können.

Eigentlich ganz einfach, aber Religion hat es auch an sich, die Dinge sehr kompliziert zu machen und unter Unmengen unverständlicher Theologie zu begraben, die nur die Experten verstehen. Die sind dann wieder eine Klasse für sich und weit entfernt von den Laien…

Propheten sind keine Schriftgelehrten und Pharisäer. Was sie auszeichnet, ist die Erfüllung mit dem Heiligen Geist (Johannes von Mutterleib an) und die Absonderung zu Gott, also vor ihm zu stehen, zu gehen und zu leben. In seinem Angesicht. Damit werden die Propheten zu Vorangehern und Wegbereitern für die anderen, die in diese Position und Absonderung hineingehen und hineinwachsen müssen.

Für die Propheten ist vieles ganz normal und vertraut, was andere oft noch nie gehört, geschweige denn erlebt haben. Ihnen müssen die Propheten „Erkenntnis des Heils“ vermitteln – in Christus –, damit auch sie vor das Angesicht Gottes zu kommen wagen, um dann zu erleben, dass es über ihnen leuchtet und ihnen eine Fülle von Gnade und Frieden zuteil werden lässt. Dann werden auch sie prophetisch. Die Gemeinde Christi ist durch und durch prophetisch und ein Licht auf dem Berg, um denen zu leuchten, die sich auf den Weg machen – heraus aus der Religion, hinein in die Wirklichkeit.

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