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Sogleich aber wurde Zacharias Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott. Und Furcht kam über alle, die um sie (Zacharias und Elisabeth mit Säugling Johannes) her wohnten; und auf dem ganzen Gebirge von Judäa wurden alle diese Dinge besprochen. (Lukas 1,64-65)

Nachdem Zacharias den verwunderten Verwandten auf ein Täfelchen schrieb, dass das Kind Johannes heißen solle, was gegen die Regel und Tradition verstieß, fing er auch auf einmal wieder an zu reden, nachdem er die komplette Schwangerschaft über stumm gewesen war. Das kam in die Schlagzeile der Zeitung von Judäa: „Von Engel geschlagener Priester spricht wieder!“

Wie wunderbar ist es, wenn auch unsere „Stummheit“ beendet, unser Mund aufgetan und unsere Zunge gelöst wird und wir in die Lage versetzt werden, zu reden und Gott zu loben. In Vers 67 heißt es, dass „Zacharias mit Heiligem Geist erfüllt wurde und weissagte“. Das heißt, er redete inspiriert vom Heiligen Geist Worte, die nicht irgendein „Gerede“ waren, sondern Worte voller Kraft und Gnade, voller Bedeutung und Perspektive. Worte, die nicht gebunden sind an Tradition und Ideologie. Eben typische „Heilig-Geist-Worte“.

Und wie immer müssen wir festhalten, dass sich daran nichts geändert hat. Wann immer uns diese „Öffnung des Mundes“ und „Lösung der Zunge“ widerfährt und wir auf einmal sagen können, was zu sagen ist und Gott wirklich loben können, was ohne den Heiligen Geist überhaupt nicht möglich ist, dann sind das wunderbare Momente und Erfahrungen. Sie heben uns weit über uns selbst und unsere Rede-Fähigkeit hinaus. Wir wundern uns über uns selbst und hören und selber zu, was wir da nur reden und singen!

Alles, was wir in den Evangelien lesen, hat nicht nur eine Bedeutung für die Menschen und Situationen damals. Es geht nicht darum, uns lediglich zu informieren. Wir finden in den Beschreibungen Muster und Beispiele, wie es immer ist, wenn Gott wirkt, wenn der Heilige Geist uns erfüllt und wenn das Reich Gottes zum Zug kommt. Eine religiöse Verklärung dieser Vorlagen ist nicht hilfreich, weil uns dadurch vorgegaukelt wird, dies würde heute nicht mehr so sein wie damals oder wir seien nicht so qualifiziert wie ein Zacharias. Aber es läuft noch ganz genau so und Jesus hat uns qualifiziert, den Geist zu empfangen. Darum geht es doch.

Wollen wir geistlich wachsen, dann kommen wir nicht darum herum, uns damit auseinanderzusetzen, dass sich die Methoden und Wege Gottes nicht im Geringsten geändert haben. Vielleicht haben wir das nie so gesehen oder es wurde uns nicht so gepredigt. Aber darum sind uns Geschichten wie die von Zacharias und Elisabeth überliefert. Wir sollen daran erkennen, wie Gott wirkt und das Evangelium funktioniert. Heute wie damals. Gott ist derselbe, der Geist ist derselbe und das Evangelium ist dasselbe. Wie das Evangelium mit lauter Geisterfüllungen beginnt, so endet es auch mit der Ansage von Jesus bei der Himmelfahrt, dass die Jünger in den Heiligen Geist getauft werden sollten (Apostelgeschichte 1,4-5). Und an Pfingsten wurden sie denn alle mit dem Heiligen Geist erfüllt (APG 2,4) und begannen „über die großen Taten Gottes“ zu reden – ganz wie Zacharias in Lukas 1.

Eine Abweichung von diesem Vorbild ist nicht vorgesehen und stellt ein Sakrileg dar, einen „Frevel“, denn wir maßen uns an, die Methoden und Wege Gottes zu ignorieren bzw. zu übergehen und einfach durch ein anderes „Programm“ zu ersetzen. Das Ende des Liedes ist eine gutbürgerliche aber geistlose Gemeinde, die von dem wirklichen Evangelium so weit weg ist wie die Erde vom Himmel.

Niemandem ist damit gedient, aber die Gemeinde von heute ist m. E. vielerorts wie gefangen in dieser Anmaßung und Abweichung, weil sie schon zur Tradition geworden ist. Umzukehren zum Ursprung und Original erscheint geradezu unmöglich. Es wird „fundamentalistisch“ oder gar „sektiererhaft“ genannt, wenn Gemeindeglieder ernsthaft danach fragen. Aus diesem Grund müsste so manche Gemeinden beendet werden, um sie dann neu zu starten, denn eine Reform reicht nicht aus, um zum Anfang zurückzukehren. Die Evangelisation muss heute beim Haus Gottes und nicht bei den Ungläubigen beginnen. Dort muss das Evangelium wieder gepredigt werden, wie es ist. Damit die Gemeinde wieder die Gemeinde Jesu wird – in Erweisung des Geistes und der Kraft.

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