Wahn oder Wirklichkeit?

Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und sollst ihm seinen Namen Jesus nennen. (Lukas 1,31)

Das ist der Anfang dessen, was der Engel Gabriel zu Maria über die „Gnade“ sagte, die ihr widerfahren sei. Er beginnt seine „Gute Nachricht“ an die ledige Maria mit der Botschaft über eine geistgewirkte Schwangerschaft. Bum! Sie, die Jungfrau, wird schwanger werden, womit sie in den Augen ihrer Kultur und Mitmenschen eine Hure oder Ehebrecherin, jedenfalls eine „Schändliche“ sein wird und ihr uneheliches Kind ein „falsches und verkehrtes“, ein Bastard also. Oha!

Was wird Maria unter „Gnade“ verstanden haben, was hat sie in der Synagoge darüber gelernt? Was wurde ihr über Besuche von Engeln und übernatürliche Schwangerschaften beigebracht? Im Unterricht über die 10 Gebote kam sowas nicht vor und kommt es heute auch nicht! Übertragen wir es doch auf heute und auf uns: Würde einer von uns zu den Ältesten seiner Gemeinde gehen und behaupten, ihm sei ein Engel erschienen? Wie wäre die Reaktion? Und wenn das auch noch Gabriel gewesen sein sollte?!

„Was hat er dir denn für eine Gnade angekündigt?“, fragen die Ältesten, die bereits kein Wort von dem glauben, was ihnen da erzählt worden ist. „Ich werde schwanger.“ Ungläubig schlucken die Ältesten und schauen sich gegenseitig mit großen Augen an. „Du wirst also schwanger?! Du bist doch nicht mal verheiratet!“. „Das wird der Heilige Geist erledigen… sagt Gabriel. Und es wird ein Junge, sagt er… und der heißt Jesus…“.

Eindeutig ein Fall für die Psychiatrie.

Nein, solche biblischen Geschichten, die kann es heute einfach nicht mehr geben, es wäre einfach zu abwegig – als sei es das bei Maria nicht gewesen?! Nur, weil wir das in so wenigen Versen lesen und weil wir das religiös so unermesslich überzeichnet haben, indem wir Maria zum Übermenschen erklärt haben, können wir diese Geschichte lesen, als sei sie eine Art Legende und fern unserer Realität. Was heißt, WIR glauben, UNS kann so etwas niemals passieren, WIR sind ja „normal“. Nicht wie Maria… die ist ja ganz anders als wir, eine Heilige, Unbefleckte und Himmelskönigin. Aha!

Und so sind wir fertig mit der Geschichte und können weiter “normal“ bleiben… so wie WIR Normalität definieren. Denn alles, einschließlich Gott, Himmel, Engel und Gnade haben sich bitteschön nach UNSERER Definition von „normal“ zu richten. Sonst Psychiatrie.

So kommt es, dass viele Menschen das, was Gott ihnen von seiner Gnade gezeigt und gegeben hat, niemals in der Gemeinde erzählen, weil sie dann komplett unten durch wären, und an den Hausarzt, psychologischen Dienst, usw. verwiesen würden. Ich habe in dieser Hinsicht hinter vorgehaltener Hand schon eine Menge „große Dinge“ erzählt bekommen von „ganz normalen“ Gläubigen, die sich und mich verzweifelt fragten, was ihnen da nur widerfahren ist. Sie hatten leider oft keine Freude an der Gnade, sondern die pure Angst, damit an den Pranger zu kommen, als „unnormal“ eingestuft zu werden und eben psychiatriesiert zu werden. Wer kann ihnen das verdenken?

Sollten wir Wunder erleben und Gnadengaben des Heiligen Geistes empfangen wollen, Engel erleben und Prophetien hören wollen, dann sollten wir uns über die Konsequenzen im Klaren sein, die das mit sich bringt! Sind wir bereit, den Rahmen der allgemein anerkannten Normalität zu verlassen, womit wir dann Außenseiter, Sonderlinge und religiöse Spinner sind?

Solche Erfahrungen, wie etwa die von Engelserscheinungen, richtig zu unterscheiden und einzuschätzen, das ist durchaus nicht einfach und eine hohe Aufgabe und Verantwortung für Älteste, denn es könnte sein, dass das Schicksal der Welt an ihrer Einschätzung hängt. Ist es Wahn oder Wirklichkeit? Wer definiert das?

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