Der Herr sieht dich!

Nach diesen Tagen aber wurde Elisabeth, seine Frau, schwanger und zog sich fünf Monate zurück und sagte: So hat mir der Herr getan in den Tagen, in denen er mich angesehen hat, um meine Schmach vor den Menschen wegzunehmen. (Lukas 1,24-25)

Die alte und unfruchtbare Elisabeth wurde also schwanger… ihre Schmach vor den Menschen wurde bereinigt. Warum schmähten die Menschen aber die Frau des Priesters Zacharias? Weil sie eine Frau als minderwertig, als ungesegnet, als unerfüllt ansehen, wenn sie keine Kinder bekommt?

Diese Art von Schmach durch Menschen hat sich nicht geändert, ich habe es viele Male in der Gemeinde gesehen. Man braucht eine gewisse Stärke, um von dieser „Barmherzigkeit“ nicht beeindruckt zu sein. Was niemand ahnen konnten, war, dass Gott Zacharias und Elisabeth für ein ganz bestimmtes Kind aufgehoben hatte: Johannes den Täufer. Ob alt oder unfruchtbar, das war keinerlei Hindernis für Gott, er orientiert sich nicht an sowas. Zacharias und Elisabeth bekamen eine Nachricht vom Himmel durch den Engel Gabriel. Wow! Wer kann das schon von sich sagen? Diese Geschichte wurde noch besser, als eine Verwandte namens Maria, die „zufällig“ mit Jesus schwanger war, zu Elisabeth kam und ein paar Monate bei ihr blieb (1,56).

Elisabeth arbeitete nicht bis zum letzten Moment, sondern „zog sich zurück“. Fünf Monate steht hier – und dann kam Maria für weitere drei Monate. Na das sind mal Schwangerschaften, denen Raum und Zeit gegeben wird, wo gebetet und Bewusstheit gewonnen wird! Wo man ernst nimmt, dass im Leib ein Wunder geschieht und ein Kind geboren wird. Unsere ach so fortschrittliche Kultur hat nichts Dergleichen zu bieten – außer die Schmähung, die eine Frau trifft, die kein Kind bekommt, oder doch noch eins, aber schon viel zu alt dafür ist – die Ärzte raten dringend zu einem Abbruch! – oder wenn sie wie hier die komplette Schwangerschaft nur mit Schwangersein verbringt. Hat sie denn nichts Besseres zu tun? (Damit meinen wir „Geld verdienen“) Nein, offenbar nicht. Ein Kind zur Welt bringen, das ist eine unbezahlbare Höchstleistung. Und man kann ein Kind so oder anders zur Welt bringen…

Eine interessante Formulierung: „… in den Tagen, da der Herr mich angesehen hat.“ Jetzt glaubte Elisabeth, dass Gott sie sieht. Dieses Gefühl, Gott sieht mich nicht, ist sehr verbreitet. Menschen fühlen sich ignoriert und übergangen, unwichtig und nebensächlich. Woher kommt das? Die Bibel wiederholt an vielen Stellen, dass Gott uns nicht übersieht und übergeht. Wir fragen uns: Aber warum ist dann alles bei mir so, wie es ist? Für Jahre hat Elisabeth still ihre Schmach getragen, ohne auch nur den geringsten Sinn darin zu finden, wie auch? Warum war sie von Gott „gestraft“, warum nicht „wie alle anderen“, usw.? Jetzt, nach all den Jahren, begann Elisabeth das große Bild bzw. die ganze Geschichte zu erkennen, die eben viel größer ist, als ihre ganz persönliche, kleine Geschichte, in der sich alles um sie und ihre Schmach dreht und nicht um Israel und seine Schmach oder gar um Gott und dessen Schmach.

Wir können den Heiligen Geist immer wieder darum bitten, wenn unsere kleine Welt nicht funktioniert und unsere Geschichte keinen Sinn ergibt, uns die größeren Zusammenhänge zu offenbaren. Dann kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus und begreifen, dass wir einfach immer zu klein und egozentrisch denken. Die Offenbarung der größeren und höheren Geschichte ist Teil der Erlösung. Wir müssen erfahren, dass der Herr auch uns „angesehen“ hat und darin unser Heil und unsere Rettung liegen. Unsere hohe Würde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.