Gabriel zum Ersten

Ihm erschien aber ein Engel des Herrn und stand zur Rechten des Räucheraltars. Und als Zacharias ihn sah, wurde er bestürzt, und Furcht kam über ihn. (Lukas 1,11-12)

Bum! Die Routine, Ordnung und Gewohnheit sind durchbrochen. Zacharias steht wie angewurzelt. Was macht ein Engel des Herrn im Heiligtum des Herrn am Altar des Herrn?! Das hat es ja noch nie gegeben! Hier haben nur die Priester Zutritt!

Ich kann mir vorstellen, dass allerlei Gedanken durch den Kopf von Zacharias rasen. Im Handbuch für die Bedienung des Temples hatte gar nichts darüber gestanden, was man tut, wenn ein Engel erscheint! Und was in dem Buch nicht stand, das gab es einfach gar nicht. Also bildete er sich diesen Engel vielleicht nur ein? Aber er sieht doch verd… echt aus! Jetzt hat er leicht einen Flügel bewegt und die stickige Luft im Heiligtum wurde davon bewegt, Zacharias spürt es.

Bisher war das nicht vorgekommen, hatte sich Israel vielleicht dermaßen versündigt, dass diesmal der Engel des Gerichts nur schon auf den nächsten Priester wartete, um es ihm zu geben? O weh! Hatte Zacharias es sich doch gedacht, dass dieser verd… Pöbel draußen vor der Tür sich noch weniger an die Regeln gehalten hatte, als zuvor, jetzt würde er den Preis dafür bezahlen dürfen. „Das ist so ungerecht!“, murmelte er und der Engel wandte das Gesicht zu ihm rüber. OMG!, dachte Zacharias, was habe ich da nur gesagt?! Der Blick des Engels schien ihn zu durchbohren, zu durchdringen, so stand er wie paralysiert vor dem mächtigen Engel, der ihn fixierte und er ihn. So standen sie denn da… „und das Volk draußen wunderte sich, dass er so lange im Tempel verweilte“ (1,21).

Nach Minuten, die Zacharias wie eine Ewigkeit vorkamen, besann er sich darauf, dass er ja der Priester ist und sich entsprechend benehmen müsste. Er versucht, sich an irgendetwas Frommes zu erinnern, was er jetzt sagen könnte, einen Psalm vielleicht, aber gerade als er ansetzen wollte, meinte der Engel: „Zacharias, Deine Frau kriegt ein Kind.“

Zacharias kann nicht glauben, was er hört! Wie jetzt? Meine Frau bekommt ein Kind? DAS will der Engel mir sagen? Aber Elisabeth ist alt und unfruchtbar…, vielleicht sollte er dem Engel das vorsichtig mitteilen, ihm die Fakten darlegen, die er offenbar nicht kennt. „Weißt du, Engel, ich bin doch schon recht alt und meine Frau, die ist es auch; und sie kann sowieso keine Kinder bekommen, wie soll das also gehen?“ (1,18)

Da richtet sich der Engel zu voller Größe auf und sagt: „Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, zu dir zu reden und dir diese gute Nachricht zu überbringen. Aber da du mir nicht glauben willst, das es so kommen wird, wie ich sage, sollst du stumm sein und nicht (wider)sprechen können, bis es geschehen ist!“

Au Backe, es ist auch noch Gabriel, Zacharias kann es nicht fassen. Seine Sprachlosigkeit wird nun auch noch für einige Monate anhalten und ihm Zeit geben, ohne unpassende Zwischenrufe oder hitzige Diskussionen mit den Priesterkollegen zu sehen, wie das Wunder sich entfaltet. Aber sie wundern sich doch sehr, dass er auf einmal das Priesterhandbuch umschreiben will …

„Vielen Dank auch, Gabriel, schönen Gruß an Gott, vor dem du stehst!“ kann er schon nicht mehr sagen. Der Engel ist weg und Zacharias kommt zu den Wartenden heraus, die ihn anstarren, als sei ihm ein Engel begegnet… „Und er winkte ihnen zu und blieb stumm.“ (1,22b)

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