Gefangen in Trauer

Und die Frauen kehrten von der Gruft zurück und verkündeten dies alles den Elfen und den übrigen allen. … Und ihre Reden schienen ihnen wie leeres Gerede, und sie glaubten ihnen nicht. (Lukas 24,9-11)

Wie die Frauen zuvor, schienen auch die Apostel alles vergessen zu haben, was ihnen Jesus gesagt hat. Oder sie haben nur selektiv gehört, also nur das, was sie hören wollten. Von Erfolg und Größe und Ruhm. Die Leidensankündigungen haben sie überhört. Und den ganzen Sinnzusammenhang nicht verstanden. Es braucht einfach eine Offenbarung durch den Heiligen Geist, sonst fallen die Groschen nicht und keine Einsicht ist zu erwarten. Obwohl wir die bei Aposteln als gegeben voraussetzen. Ein Irrtum!

Diese Apostel hielten sich während der Kreuzigung Jesu auf Abstand und waren nicht zugegen, als der Leichnam von Joseph aus Arimathia und Nikodemus vom Kreuz genommen und in das Felsengrab geschafft wurde. Jetzt glauben sie den Frauen, die das leere Grab bezeugen, nicht. Vielleicht ist es die Engelsbegegnung, die sie denken lässt, „diese Frauen übertreiben doch maßlos! Wer sind sie eigentlich? Wenn hier irgendwem Engel begegnen, dann uns, den Aposteln!“

Wie auch immer, die Brüder machen eine denkbar schlechte Figur und sind offenbar unter dem Einfluss der „Decke“ und dem „geistlichen Brett vor dem Kopf“. Sie sehen nicht, sie hören nicht, sie glauben nicht, ganz so, wie Jesus es in Matthäus 13,15 gesagt hatte.

In Markus 16,11 heißt es, dass die Jünger „trauerten und weinten“. Sie sind so gefangen in sich selbst, wahrscheinlich einer grauenhaften Mischung aus Furcht vor den Juden, Schuldgefühlen gegenüber Jesus, zerplatzten Träumen von Ruhm und Größe, einer Erbitterung gegenüber den teuflischen Hohenpriestern und Pharisäern, Zorn auf den Oberverräter Judas und einfach einem entsetzlichen Nicht-wahrhaben-wollen, dass ihr Jesus TOT ist, dass sie gerade echt nicht mehr „glauben“ können und diese Frauen unerträglich finden.

Wieder ist dies ein Prinzip, ein Muster, das für uns geschrieben steht, denn wir alle können uns so sehr verrennen in unsere eigenen Vorstellungen, dass wir dann, wenn alles ganz anders läuft, komplett kollabieren.

Und wir können dermaßen in unseren eigenen Gram versinken, dass wir die Rettungen, die Lösungen, Tröstungen, Gebetserhörungen, die Wende der Geschichte, die zu uns kommen, einfach nicht erkennen und vielleicht nicht einmal erkennen wollen. Wir wollen leiden, jammern, weinen und bitte nicht dabei gestört werden!

Wir wollen bedenken, dass diese Jünger und Apostel(!) gerade mit dem größten Ereignis der Menschheitsgeschichte konfrontiert werden, der Auferstehung Jesu aus den Toten – und nicht zugänglich dafür sind. Sie sind zu sehr bei sich selbst und ihrem Gefühlschaos, als das sie etwas anderes als noch wichtiger als sich und ihren Kummer zulassen können.

In dieser Geschichte werden, wenn wir alle Evangelien zusammennehmen, eine Menge Engel aktiv, um diese Brüder zur Besinnung und auf den Weg nach Galiläa zu bringen. Also in Bewegung. Jetzt sitzen sie wie verloren herum und sehen schwarz. Wir, die wir die Geschichte kennen, wissen, dass in Wahrheit das größte „Es ist vollbracht!“ geschehen ist und Jesus bereits auferstanden und allerlei Frauen begegnet ist. Es gilt zu jubeln! Aber die Jünger sind in ihrer eigenen Blase von Trauer und Weinen gefangen und werden noch ein wenig daran festhalten, bis Jesus, Engel und Frauen zu ihnen durchdringen.

1 comment for “Gefangen in Trauer

  1. 13. Juli 2019 at 10:27

    Hallo Maria Graf. Tut mir sehr Leid, das zu hören. Ich bete um eine neue Perspektive für sie, die den Teufelskreis durchbricht! Gruß FRANK KRAUSE

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