Augen auf!

Als aber der Hauptmann sah, was geschah, verherrlichte er Gott und sprach: Wirklich, dieser Mensch war gerecht. Und die ganzen Volksmengen, die zu diesem Schauspiel zusammengekommen waren, schlugen sich, als sie sahen, was geschehen war, an die Brust und kehrten zurück. Aber alle seine Bekannten standen von fern, auch die Frauen, die ihm von Galiläa gefolgt waren, und sahen dies. (Lukas 23,47-49)

Es ist, als würden die Anwesenden auf einmal zur Besinnung kommen. Gerade noch höhnten die Soldaten in der übelsten Art und Weise, jetzt sagt der Hauptmann sein berühmtes „Ecce homo!“ – „siehe, der Mensch!“, ALS ER SAH, was geschah. Die Leute, die gerade noch kopfschüttelnd spotteten, dass Jesus andere retten konnte, aber nicht sich selbst, schlagen sich an die Brust, ALS SIE SAHEN, was geschah. Und seine „Bekannten“, die auf Abstand geblieben waren, SAHEN es.

Ja waren denn zuvor alle blind und ferngesteuert? Das kann man wohl sagen. Die Verblendung war so immens, der Druck der Finsternis, der begonnen hatte, sich physisch zu manifestieren, so hoch, die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die hier auf einmal gar nicht erwähnt werden, so fanatisch gegen Jesus, dass die Menge angesteckt war, alle Beteiligten wie unter einem „Bann“ standen und sich wie Statisten im oben genannten „Schauspiel“ verhielten. Als seien sie nicht sie selbst.

Nun wachen sie auf und merken auf einmal, was da vor sich geht und schalten komplett um. Ganz ähnlich hatten wir es – nur umgekehrt – beim Einzug Jesu in Jerusalem, wo alle erst „Hosanna!“ schrien und kurz darauf umswitchten und „Kreuzige!“ schrien. Was ist das für ein Phänomen?

Wir müssen achtsam, bewusst, nüchtern und bei Sinnen bleiben. Unentwegt mahnen uns die Apostel in allen ihren Briefen dazu. Es braucht ein ständiges Gebet, um nicht auf einmal einzuschlafen und Dinge zu tun, die gar nicht unsere sind, sondern die der Finsternis, der Dämonen oder der Hohenpriester und Schriftgelehrten oder der Menge, oder, oder, oder.

Früher ertappte ich mich regelmäßig dabei, wie ich mir fest vornahm, Jesus nicht aus den Augen zu verlieren, nur um dann am Ende einer Woche aufzuwachen wie aus einer Trance und zu erkennen, dass ich ihn komplett vergessen und ausgeblendet hatte. Es war überraschend und schockierend und ich merkte, ich musste Erweckung üben, die Gegenwart Jesu praktizieren, irgendetwas unternehmen, um geistlich wach zu bleiben und nicht einzuschlafen und jegliche Kontrolle zu verlieren.

Ich habe wunderbare und schreckliche Dinge in der Gemeinde geschehen sehen – und die Mehrheit schien davon nichts mitzukriegen – weder von dem einen noch von dem anderen. Da war ich genauso überrascht und schockiert, wie über mich selbst. Wie eine Decke lag ein Maß an Unbewusstheit, an Müdigkeit und Weggetretenheit auf den Leuten. Auch erinnerten sie sich kaum noch an das, was im letzten Gottesdienst Thema war oder gar geweissagt worden ist.

Immer müssen wir der Möglichkeit ins Auge sehen, dass wir nicht so wach, präsent und wir selbst sind, wie wir meinen. Unser Leben in dieser Hinsicht genau zu beobachten, ist unerlässlich. Denn die Dämonen wollen uns stets soweit runterschalten und betäuben, dass wir leicht von ihnen zu lenken und zu manipulieren sind und dann gar nicht wissen, wieso wir gedacht, gefühlt und uns verhalten haben, wie wir es taten. Zur Freiheit hat Christus uns befreit. Freiheit ist eine große Gabe und eine ebenso große Aufgabe. Passivität können wir uns nicht leisten, wenn wir frei sein wollen.

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