Der unbekannte Jesus

Als sie Jesus wegführten, ergriffen sie einen gewissen Simon von Kyrene, der vom Feld kam und legten das Kreuz auf ihn, damit er es Jesu nachtrug. Es folgte ihm eine große Menge Volks und Frauen, die wehklagten und ihn bejammerten. Jesus wandte sich aber zu ihnen und sprach: Töchter Jerusalems, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und eure Kinder! (Lukas 23,26-28)

Was für ein Zug! Die Jünger Jesu sind immer noch „weg“ und man findet einen Simon, der offenbar bereit ist, Jesus beizustehen und das Kreuz für ihn zu tragen. Allerlei Sagen ranken sich um ihn, aber die Schrift gibt nicht viel über ihn her. In Markus 15 erfahren wir, dass er „der Vater von Alexander und Rufus“ war. Von einem „Rufus, dem Auserwählten des Herrn“ ist in Römer 16,13 die Rede, aber ob das dieser gleiche Rufus ist, kann nur vermutet werden. Jedoch kann man sich fragen, was es mit Simon gemacht haben mag, Jesus hinterherzugehen, als gehöre er zu ihm. Ganz nah war er ihm und konnte beobachten, wie der Sohn des Menschen nach Golgatha hinaufging. Die letzten Schritte zur Erfüllung seiner Mission mussten getan werden, die letzten Stunden ertragen werden.

Das ungeheure Maß der Verachtung und Verlassenheit Jesu muss sich Simon mitgeteilt haben.

An diesem Kreuz, das er trug, dessen Holz er spürte und dessen Gewicht auf ihm lastete, würde Jesus gleich hingerichtet werden und sein Leben geben!

Unmöglich konnte Simon von Kyrene „sachlich“ bleiben und einfach seine „Aufgabe“ erfüllen, vielleicht gegen einen geringen Lohn. Er musste spüren, wie sich die Finsternis, von der später in Vers 44 die Rede ist, begann, zusammenzuziehen, denn schließlich wollten alle Teufel dieser Welt dabei sein, wenn der Sohn Gottes erledigt wird. Ihre Weisheit war es gewesen, Judas, die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten gegen Jesus aufzuhetzen und zu Verrat und Verachtung anzustiften. Ihr Plan ging wunderbar auf, alle spielten fein mit und hier kam die Stunde ihres finalen Triumphes.

Sie begriffen die Weisheit Gottes hinter dieser ganzen Geschichte nicht, „denn wenn sie die erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben“ (1 Kor 2,8).

Denn die zu Jerusalem wohnen und ihre Obersten haben, da sie Jesus nicht erkannten, auch die Stimmen der Propheten erfüllt, die jeden Sabbat gelesen werden, indem sie über ihn Gericht hielten. (APG 13,27)

Trotzdem diese Menschen ihr Leben lang angepredigt worden sind, haben sie nichts begriffen, weder wer Jesus war, noch was die Propheten alles über ihn gesagt hatten, was sich vor ihren Augen alles Wort für Wort erfüllte. Was ist das für eine seltsame Verblendung? Dies ist die typische Wirkung der Finsternis und der Teufel: wir merken einfach nichts. Wir schlafen durch die Predigten – und wenn sie sich auch bis ins letzte Detail vor unseren Augen erfüllen, verstehen wir nichts und haben das Gefühl, Gott ist „weit weg“. Aber er ist nicht weit weg, WIR sind weit weg.

Dies ist eine sehr ernste Herausforderung für uns alle. Es könnte sein, dass Gott große und geschichtsträchtige Dinge tut – und wir merken es nicht. Es könnte sein, dass Gott seine Verheißungen und unsere Gebete vor unseren Augen erfüllt, aber wir merken es nicht, rechnen nicht damit, sind mit offenen Augen blind dafür. Solange wir eine solche Verblendung bei uns nicht für möglich halten, sind wir voraussichtlich mitten drin und die Dämonen haben wenig Arbeit mit uns.

Diesem „Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trug“, folge Simon von Kyrene also in der aufziehenden Finsternis auf dem Fuß nach. Wunderbar und schrecklich. Die Menge um ihn her war mit ihm und gegen ihn, die einen lästerten ihn – ganz nach Drehbuch der finsteren Mächte – und andere beweinten ihn heftig. Soldaten begleiteten den Tross, denn hier wurde ja ein „Terrorist“ abgeführt. Niemand erkannte den „Herrn der Herrlichkeit“.

Und wir?

1 comment for “Der unbekannte Jesus

  1. Gwiasda
    12. Juni 2019 at 16:23

    Und wir singen weiter den gleichen Sing—Sang ohne Kraft und Autorität.Mein Herz schreit nach einem Durchbruch im Volk Gottes. Ilse

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