Engel unterstützen uns im Gebet

Und Jesus stand auf vom Gebet, kam zu den Jüngern und fand sie eingeschlafen vor Traurigkeit (Lukas 22,45)

Leider geht es uns immer wieder so, dass wir dann, wenn es am dringendsten nötig wäre, verhindert sind, was das Gebet betrifft. Seien es Aufgaben, die uns fordern, Umstände, die uns ablenken, Müdigkeit, die uns befällt, das Gebet ist immer umkämpft, und ich freue mich über jeden, der zum Gebetskreis kommt, denn ich weiß, er hat sich selbst und allerlei Widrigkeiten dafür überwunden.

Wir sollten immer beten, denn Gebet ist unsere Quelle und der Raum, in dem wir geistlich leben. Das Gebet zu vernachlässigen, gleicht m. E. geistlichem Selbstmord. Und wenn es Christen „gut geht“ auch ohne Gebet, weiß ich nicht, was ich davon halten soll.

Die Jünger sind von der Situation in Gethsemane total überfordert. Sie kommen nicht mehr mit, ihre Seelen reagieren mit Müdigkeit, sie wollen „abschalten“. Jesu aber kann das nicht tun, er muss den Weg, der noch viel bedrängender werden sollte, als das, was die Jünger schon jetzt ohnmächtig werden ließ, weitergehen und seine Bestimmung vollenden.

Tatsächlich glaube ich, dass viele Christen weder je in ihre göttliche Berufung kommen noch den Weg ihrer Bestimmung gehen können, weil das Gebet dafür zu verhindert und schwach ist. Das Gebet ist wie das Wasser, das über unsere Bestimmung gegossen werden muss, damit sie aufsprosst und sich entfaltet. Ohne Gebet bleibt sie verborgen oder kümmerlich und bringt keine Frucht. Darum ist das vernachlässigte Gebet in meinen Augen die größte Sünde der Gemeinde überhaupt.

Viele, die sich voller Müdigkeit aufraffen, zum Gebet zu kommen, die erleben, dass nach einer Zeit des Lobpreises auf einmal Kraft zu ihnen kommt und sie aufrichtet. Als wäre eine Schalter umgelegt, können sie aufstehen, ihre Hände heben und beten. Ihre Stimme wird klarer und lauter, ihre Worte intelligenter und treffender, sie durchlaufen im Schnelldurchgang Prozesse der Entlastung und Reinigung, der Sammlung und Entfachung. Wunderbar!

Tatsächlich ist der „Engel vom Himmel“, der Jesus im Gebet stärkte (22,43) immer noch am Werk und stärkt auch uns, damit wir sehr viel intensiver und anhaltender beten können, als wir es in unserem Zustand eigentlich vermögen. Es ist ein wahres Wunder, welches wir erleben. Das Gebet scheint eine ganz eigene Kraft zu entfesseln, die uns mitnimmt, tiefer, höher und weiter, als wir für möglich gehalten haben. Dann sind wir so froh, dass wir zum Gebet gekommen sind! Dann sind wir erneuert und bereit, Schritte zu tun, die vorher überhaupt nicht denkbar waren. Eine selige Erfahrung!

Während Jesus noch seine Jünger weckt, sind schon Judas und die Häscher gekommen. Jesus ist der Situation gewachsen, die Jünger nicht. Der Abstand zwischen ihnen und Jesus wächst. Es heißt, Petrus folgt dem Trupp „von fern“ (22,54). Von den anderen hören wir gar nichts mehr, ein ganzes Kapitel lang nicht.


Lesung: Der Dienst der Engel im Gebet.

2 comments for “Engel unterstützen uns im Gebet

  1. Gabriele
    24. Mai 2019 at 11:51

    So wahre Worte! Ich habe das auch so oft erlebt… Wenn mich Stimmungen am Beten hindern, ist es dringend Zeit, aufzustehen und Jesus sein Herz auszuschütten. Ich liebe es, wenn Gott dann wie mit einem Zauberstab kommt und mich oft schlagartig wieder hell macht. Der Herr möchte einfach in allem einbezogen werden.
    Ich kann die Jünger so gut verstehen. Es war eine schwere, bleierne Zeit für sie. Sie waren ohnmächtig. Irgendwo hörte ich letztens: „Satan weiß genau wenn wir traurig sind“… dann kommt er und greift uns an.

    • Ruth Meister
      27. Mai 2019 at 14:51

      Das kann ich nur bestätigen. Manchmal bin ich sehr traurig. Diesen Zustand nenne ich dann die namenlose Traurigkeit. Dann mache ich mir Lieder an, die mich in der Tiefe meines Herzens bewegen und fange einfach an zu beten. Es ist erstaunlich, wie viel Kraft, Freude und Frieden dann unverzüglich zu mir kommt. Konnte ich mich vorher kaum mit Elan auf den Beinen halten, so könnte ich anschließend tanzend durch die Wohnung hüpfen. Mein Herz wird leicht und leichter und jede Faser meines Seins wird so leicht wie eine Feder. Dann ruft mein Herz ihm alles entgegen und der Vater antwortet mir in liebevollen Gedanken. Dafür muss ich keine bestimmte Gebetshaltung einnehmen, die evtl. würdig genug ist, dass passiert beim putzen, kochen, bügeln und einfach immer und überall.

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