Das Reich der Nähe

„So erkennt auch ihr, wenn ihr dies alles geschehen seht, dass das Reich Gottes nahe ist.“ (Lukas 21,31)

Wenn die „schrecklichen Dinge“ der Endzeit geschehen, dann können wir wissen, dass das Reich Gottes nahe ist. Nun sind durch alle Zeitalter hin solch schreckliche Dinge geschehen, wie sie die Endzeitreden Jesu beschreiben. Und jede Generation hatte zeitweise das gute Recht, zu meinen, es sei nun „zu Ende“. Und tatsächlich hat jede Generation das Reich Gottes auf seine Weise kommen sehen. Denn immer war es nahe. Aber wie Jesus sagt, kommt das Ende in Wehen, denn aus ihm wird ein neuer Anfang geboren.

Die Drangsale der Endzeit zeigen, wie die Welt aus den Fugen gerät. Das „brausenden Meer und die Wasserwogen“ (21,25b) strömen vor und zurück. Die Ausmaße der Wehen werden immer stärker.

Wie ist unser Verhältnis zu dem Reich Gottes, das nahe ist? Sind wir von unserer Seite her auch ihm nahe? Das Reich Gottes funktioniert nur durch Nähe. Und Nähe braucht Vertrauen.

Das Reich Gottes ist die Königsherrschaft Gottes. Diese Herrschaft, welche ganz anders „herrscht“, als die Welt es tut und vermag, will und kann jederzeit in uns beginnen. Noch können wir uns frei dafür entscheiden, können überlaufen und die Königsherrschaft Gottes für uns persönlich empfangen. Eines Tages übernimmt sie ganz generell die Herrschaft über die Welt, denn Gott hat die Welt ja geschaffen, weder war es der Zufall noch waren es wir. Und Gott wird sie wieder so herrlich machen, wie sie einmal war, bevor wir sie ruiniert haben. Auch damit beginnt er inwendig in einem jeden Menschen in dem Moment, wo ihn jemand darum bittet und sich retten lässt.

Mit zunehmender Rettung nimmt die Spannung zwischen dem Teil der Welt, der das Reich Gottes ruft und dem Teil, der es ablehnt, zu. Das „Ja bitte!“ und das „Nein danke!“ werden zu unerbittlichen Gegensätzen. Wir alle spüren es. Es liegt eine schier unerträgliche Spannung in der Luft.

Desto mehr müssen wir die Nähe zum Reich Gottes, die Berührung und Verbundenheit damit kultivieren. Heute ist ein Tag ohne bewusste und kontinuierliche Hinwendung zu Gottes Präsenz so undenkbar für mich, wie es früher andersherum nicht vorstellbar war. Die ständige Vergegenwärtigung des aufgehenden Reiches Gottes in einer untergehenden Welt, die alle und alles mit in ihren Untergang reißen will, hält mich aufrecht und ist m. E. unsere vordringliche Aufgabe als Christen.

„Wacht nun und betet zu aller Zeit, dass ihr würdig geachtet werdet, dem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen.“ (Lukas 21,36)

Diese Wachsamkeit, dieses Gebet, diese Würde, diese Abwendung von dem Untergang und diesen Stand vor IHM, das will geübt werden. Heute.

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