Das Imperium schlägt zurück

Vor diesem allen aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und Statthalter zu führen um meines Namens willen. (Lukas 21,12)

Ist es nicht seltsam, dass Jesus hier die Synagoge in einem Atemzug mit Gefängnissen, Königen und Statthaltern nennt, an die wir „überliefert“ werden in der Verfolgung? Steht die Synagoge damals – die Kirche heute -, denn nicht auf unserer Seite?

Die Geschichte belegt reichlich, dass die Kirche in aller Regel mit dem Staat kooperierte, ganz egal, welcher Ideologie auch immer der gerade folgte. Unendlich viele Gläubige wurden von der Kirche selbst verfolgt und umgebracht – wie Jesus ja auch.

Dies ist ein großes Problem, denn die Kirche gibt sich doch den Nimbus der Christlichkeit und scheint der Hort der Rechtgläubigkeit zu sein. Die Verwalterin Gottes auf Erden. Aber genau da liegt das Problem. Sobald eine Institution anfängt, den Glauben zu definieren, zu regulieren und zu verwalten, fängt sie auch an, die Gläubigen entsprechend zu kontrollieren und, sollten sie von der rechte Lehre und Ordnung, die SIE vorgeben, abweichen, zu sanktionieren. Auf diese Weise wird eine persönliche Beziehung mit Christus verunmöglicht, weil immer eine Kontrollinstanz dazwischen steht, die sagt, was erlaubt ist. Jesus selbst fiel regelmäßig durchs Raster und benahm sich gegen jede Regel. Dafür musste er auch sterben. Er störte die Routine und folgte nicht den Vorgaben.

Gerne frage ich in meinen Vorträgen die Gemeinde, wie es wäre, wenn Jesus – der echte aus den Evangelien – am nächsten Sonntag in ihre Gemeinde käme. Er würde sich hinten in die letzte Reihe setzen und sich alles, was wir da veranstalten, anschauen. Wie würde er wohl reagieren? Würde er Beifall klatschen: „Gut gemacht! Genauso hab ich es gewollt! Das ist ganz genau, wofür ich gestorben und auferstanden bin. Weitermachen!“? Dann würde er noch Kaffee mit uns trinken und zur nächsten Gemeinde weiterziehen, um sie zu bestätigen?

Sind wir wirklich mit Jesus verbunden – dem echten aus den Evangelien – , so werden wir die gleichen Schikanen erleben wie er – um seines Namens willen. Wir werden Situationen, Menschen und Ereignisse ganz anders bewerten, als es die Institution tut, wir können ihr niemals entsprechen. Sie ist starr, der Geist aber lebendig. Sie setzt Grenzen, der Geist hebt sie auf. Sie kann nicht lieben, wir aber sollen gerade das. Es heißt: „Die Liebe weiß, wann die Regeln zu befolgen und wann sie zu brechen sind.“

Das erinnert an die „im Ehebruch ergriffene Frau“, die vor den Augen Jesu gesteinigt werden sollte, „wie das Gesetzt es verlangt“. Das Leben dieses Menschen war der Synagoge und seiner gesetzestreuen Exekutive völlig egal. Sie fühlten sich legitimiert, ja beauftragt zu einem Mord! Jesus rettete die Frau und beschämte die „Agenten der Synagoge“, indem er ihnen klar machte, dass sie, indem sie die Frau wegen ihrer Sünde steinigen, sich selbst steinigen würden, denn sie waren doch genauso sündig wie sie.

Diese „Gerechten“ suchten nach Gründen, die Frau zu töten, Jesus nach Gründen, sie zu retten. Wie unterschiedlich doch das Motiv ist! Institutionen und ihre Agenten neigen dazu, sich für besser, wichtiger, mächtiger und gerechter zu halten, als andere. Es gefällt ihnen, zu behaupten, GOTT habe sie eingesetzt. Wer sich ihnen nicht fügt, verstößt gegen GOTT selbst – also weg mit ihm.

Wann immer eine Institution, ein Imperium, eine Religion, ein Staat oder welche Organisation auch immer von sich behauptet, Gott habe sie dazu bestimmt, die Welt, das Leben oder den Glauben zu regeln, sollten wir vorsichtig sein. Lesen wir die Bibel: Gott hat nie mit Institutionen gearbeitet, sondern immer mit Menschen. Von Angesicht zu Angesicht. Gott ist kein Vorstand, er ist Vater. Gott hat keine Religionen gestiftet, sondern Bündnisse mit Menschen geschlossen, mit Abraham und David, mit UNS – in Christus. Uns ist ein SOHN gegeben…

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