Was hat dir Jesus anvertraut?

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Und der andere Knecht kam und sagte: Herr, hier ist dein Pfund, das ich in einem Tuch verwahrt habe; denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist. Du nimmst dir, was du nicht hingelegt hast und erntest, wo du nicht gesät hast. Der Herr antwortet ihm: Aus deinem Mund werde ich dich richten, du böser Knecht! Du wusstest, dass ich ein strenger Mann bin und nehme, was ich nicht hingelegt und ernte, was ich nicht gesät habe? Warum hast du dann dieses Pfund nicht auf die Bank gebracht, dass ich wenigstens die Zinsen davon bekommen hätte? (Lukas 19,20-23)

Wir befinden uns hier im Gleichnis von den „anvertrauten Pfunden“. Jesus erzählt es, bevor er nach Jerusalem einzieht. Er klärt in diesem Gleichnis die Haltungen verschiedener Gruppen.

Was die „Volksmenge“ bzw. „die Leute“ betrifft, stellt Jesus fest, dass sie „nicht wollen, dass er König über sie sei“ (19,14). Ja, sie wollen schon, dass er die Römer vertreibt und das Reich Gottes einläutet, damit goldene Zeiten kommen, in denen es ihnen besser geht und die Schmach der Besatzung von ihnen genommen wird. Sie haben von der Totenauferweckung des Lazarus gehört. Von Zeichen und Wundern. Das wollen sie auch haben! Aber Jesus? Sie wollen ihn, wie sie ihn wollen und nicht, wie er ist.

Dann verteilt der König Geldsummen an zehn seiner Knechte und befiehlt ihnen, damit zu handeln, bis er wiederkommt. Bei seiner Rückkehr erfahren wir von drei Knechten, was sie getan haben. Was ist mit den anderen Sieben? Sind sie untergetaucht? Nicht auffindbar? Was haben sie mit den Gaben des Königs angestellt? Vielleicht haben sie diese als ihr eigenen Gaben ausgegeben? „Siehe, der König hat MICH besonders begabt/privilegiert/berufen!“ Womöglich haben sie mit dem Geld eigene Geschäfte aufgemacht und gehofft, der König kehrt nie wieder zurück oder wenigstens nicht zu ihren Lebzeiten. In ihrem Herzen ticken diese Knechte nicht viel anders als die Volksmenge. Sie lieben den König nicht.

Von den drei Knechten haben wiederum nur zwei das getan, was ihnen aufgetragen worden war. Damit wären wir bei einem Verhältnis zwei zu zehn. Was schließen wir daraus?

Schauen wir uns die Gemeinden an, dann stellen wir genau dieses Verhältnis fest. 80% sagen „Herr Herr!“ aber tun nicht was er sagt, sondern sind passiv und werden von den übrigen 20 % versorgt und unterhalten. 80% sind ganz absorbiert von ihren eigenen Geschäften und Problemen. Die meisten Gaben und Mittel der Gemeinde werden für die Betreuung und interne Arbeit an diesen verbraucht, für den eigentlichen Auftrag des Herrn bleibt nichts übrig.

Der König zeigte sich sehr erfreut und überaus großzügig gegenüber den zwei Knechten, die getan, was der Herr ihnen aufgetragen hatte. Ihre Mission hatte tadellos funktioniert! Jetzt wird ihnen noch viel mehr anvertraut.

Der dritte Knecht aber hatte gar nichts mit dem gemacht, was der Herr ihm gegeben hatte. Zu groß war seine Angst, er könnte versagen, Fehler machen, sein Pfund verlieren, etc. O was für ein Bild für die passiven Christen, die einfach gar nichts mit dem anfangen, was ihnen gegeben ist. Zu dieser Sorte gehörte auch ich. Gott empfand ich als bedrohlich und mich als hoffnungslos überfordert mit meinem Christsein. Niemals würde ich es dem König recht machen können!

Eines Tages sprach Gott zu mir (als ich noch gar nicht wusste, dass er das überhaupt tun könnte! Und zu einer Zeit, als ich das Gefühl hatte, gar nichts zu haben) und wies mich an, mich in meinem kleinen Zimmer umzusehen. Ich sollte alles (ALLES!) auflisten, was ich dort sehe und dann betend überlegen, wie ich es einsetzen kann. Selbst die leere Fläche der Tischplatte vor mir kam auf die Liste! Selbst der alte Bleistift darauf! Und dann öffnete Gott mir die Augen, wie ich jedes Teil in meinem Zimmer und sogar das Zimmer selbst (in das lud ich einen Gebetskreis ein) nutzen konnte. Und siehe da, dieses „gar nichts“ fing an, sich zu mehren. Heute kann ich nur darüber staunen, wie sehr!

Das Haupthindernis, zu nutzen, was wir haben, liegt in unserem Gottesbild. Der dritte Knecht hatte ein sehr typisches, weitverbreitetes und leider negatives Gottesbild. Eines, das ihn zum einen komplett lähmte und zum anderen rechtfertigte, nicht zu handeln. Jesus überführte diesen Knecht seiner betrügerischen Rechtfertigung, indem er ihm aufzeigte, dass er sogar dann, wenn er aufgrund seiner schlechten Meinung über den König nicht bereit war, irgendwas zu tun, dennoch eine Mehrung des ihm anvertrauten Pfundes hätte erzielen können, indem er es an welche verliehen hätte, die bereit waren, damit zu handeln.

Jetzt wird ihm sein Pfund genommen und dem gegeben, der das meiste aus den anvertrauten Mitteln gemacht hatte. So kommt es, dass einige Dienste sehr reich und erfolgreich werden, während andere aufhören, zu existieren. Dann sind sie eifersüchtig auf die anderen.

„Weil du im Geringsten treu warst, sollst du Vollmacht über zehn Städte haben!“ (19,17)

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