Wer ist Jesus für uns?

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Es saß ein Blinder am Wegesrand vor Jericho. Als lauter Leute an ihm vorübergingen, erkundigte er sich, was los sei. Sie sagten ihm, dass Jesus, der Nazarener, an ihm vorbeikommen würde. Und er rief und sprach: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Und die Leute bedrohten ihn, dass er schweigen solle. (Lukas 18,35-39)

Sehr interessant, dass die „Volksmenge“ Jesus den „Nazarener“ nennt, der Blinde aber nennt ihn „Sohn Davids“. Auf welche Anrede hört Jesus? Für den Blinden bleibt er stehen. Wie beschämend für das Volk, dass ihn „bedroht“ hatte (18,39), die Klappe zu halten!

Jesus sagt zu dem Blinden: „Dein Glaube hat dich geheilt“. Von welchem Glauben spricht Jesus hier? Nun, das Volk sah in Jesus den „Nazarener“, sie identifizierten ihn mit Nazareth, wo Jesus übrigens kaum Wunder tun konnte, denn „man kannte ihn dort“ als den „Sohn des Zimmermanns“ und auch nicht als den „Sohn Davids“.

Für uns alle ist es von ganz entscheidender Bedeutung, für wen wir Jesus halten.

Natürlich, wir geben schnell die Antworten, die wir in der Gemeinde gelernt haben, aber was sagt unser Herz? Was glauben wir wirklich über ihn? Oft sind es Krisen, die uns das offenbaren – und oft staunen wir dann, was wir so alles wirklich glauben und was wirklich nicht – ganz tief in uns drin.

Wenn alles gut läuft, kann man sich viel über seinen Glauben vormachen, die Krise aber offenbart, wie es wirklich darum steht. Vielleicht war die Bedrohung der Leute, ihre Einschüchterung, solch eine Krise für den Blinden. Er reagierte zum Glück nicht, wie so viele von uns, die sich selbstverständlich nach der Mehrheitsmeinung richten. Wenn „die Leute/ die Gemeinde/ die Kollegen/ die Angehörigen, etc.“ verlangen, dass ich still bin, dann bin ich still. Nicht so der Blinde. „Er schrie desto mehr: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ (18,39)

Der Blinde wurde sehend und „folgte Jesus nach und verherrlichte Gott“ (18,43a).

„Und das Volk, das es sah, gab Gott Lob.“ (18,43b)

Der Blinde hatte Jesus sowohl erkannt als auch anerkannt, ohne zu sehen. Das Volk musste erst was sehen, um Gott zu loben. So gibt es seltsamerweise Blinde, die man als sehend bezeichnen muss und Sehende, die man als blind bezeichnen kann.

„Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!“ (Johannes 20,29)

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