Nichts haben, nichts tun

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„Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als nur einer, Gott.“ (Lukas 18,19)

Ein seltsames Wort! Wir sollen Jesus also nicht „gut“ nennen?!

Nun, die Antwort geht an den reichen Obersten, der Jesus als den „guten Lehrer“ tituliert, der ihm doch bitte sagen möge, was er denn noch TUN müsse, um das ewige Leben zu erben (18,18). Denn immerhin hatte er die Gebote Gottes von Jugend an eingehalten. Aber auch das hatte nicht gereicht.

Er ist offenbar zu der Überzeugung gelangt, dass Jesus „es geschafft hat“. An ihm sieht er die Zeichen des „ewigen Lebens“ und fragt sich, was Jesus „getan“ hat, was der „Schlüssel“, die „Methode“, der „Trick“, die „Formel“ oder was auch immer es ist, was ihm noch fehlt, um das ewige Leben zu erben.

Wie sehr diese Idee der modernen Christenheit zueigen ist! Auch die heutigen Gläubigen fragen sich, was sie denn noch für ein Seminar besuchen, Buch lesen, Gemeindeprogramm durchziehen, Gabentest absolvieren, gesalbten Gastsprecher sie einladen sollen, usw., um endlich den „Durchbruch“ zu erzielen, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Aber je mehr sie TUN, desto weniger „funktioniert“ das Reich Gottes. Es ist zum Verzweifeln. Was sollen sie denn noch TUN? Was ist denn endlich gut genug für Gott?

Da „niemand gut (genug) ist (für Gott), als Gott“, wie Jesus sagt, ist nichts gut genug, wir haben keine Chance, das Ziel durch menschliches „Gutsein“ zu erreichen. Ja, es spielt an sich gar keine Rolle, was immer wir auch tun, um das ewige Leben zu erben. Da ist alle Mühe vergebens. In anderen Zusammenhängen spielt unser Tun durchaus eine Rolle, aber nicht in diesem. Das einzige, was uns möglich ist, um das ewige Leben zu erlangen, ist: „alles verkaufen, was wir haben und uns an Jesus hängen“ (18,22). ER weiß den Weg, er IST der Weg. In seiner Gegenwart beginnen wir, aufzuerstehen und lebendig zu werden. Die Formel lautet: mehr Gegenwart von Jesus, mehr Auferstehung und Leben für uns, denn Jesus IST die Auferstehung und das Leben (Joh 11,25).

Warum verlangte Jesus von dem „Oberen“, dass er all seine Habe verkauft? Nun, er verlor sein Leben an seine Habe, denn er musste sich so viel darum kümmern, dass er Jesus nicht nachfolgen konnte. Er definierte sein Leben über seine Habe und sein Tun. Aber sein Haben und Tun – wie “gut” das auch immer gewesen sein mag, hatten keinerlei Auferstehung und Leben in sich. In Bezug darauf waren sie ein Hindernis und ein Ballast. Auch wenn es uns vielleicht genauso erschreckt wie den reichen Jüngling: Nur wenn wir nichts haben und tun, können wir alles haben und tun.

Egal wie zäh wir verhandeln und wie lange es dauert, wir müssen alles hergeben, das Gute wie das Schlechte, das Große und das Kleine. Je eher wir kapitulieren, desto besser. Wenn alles Jesus übergeben ist, dann sind wir frei und selig und können alles haben und tun, ohne es zu haben und zu tun. Denn wir haben Anteil an dem, was Gott hat und tut. Große Dinge können uns gegeben und große Taten durch uns vollbracht werden, aber wir definieren uns nicht darüber, sondern ruhen in dem Gott, der es “vollbracht“ hat.

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