Sinnloses Beten

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„Sollte Gott das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien?, und sollte er es bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch, dass er ihr Recht ohne Verzug ausführen wird. Doch wird der Sohn des Menschen, wenn er kommt, diesen Glauben finden auf Erden?“ (Lukas 18,7-8)

Jesus sagt diese Worte im Anschluss an die Geschichte von der Witwe, die einen ungerechten Richter so lange bedrängt, bis er ihr Recht schafft. Und diese Geschichte wiederum erzählt er als Gleichnis dafür, „dass wir allezeit beten und nicht ermatten sollen“ (18,1).

Oh, das ist so intensiv! Viele Fragen erheben sich bei diesem Text. Zuerst: Kennen wir unsere Rechte? Und zweitens, wie sehr beharren wir darauf, dass sie ausgeführt werden?

Wie viele Gemeinden sind ohne jedes Bewusstsein für ihre Rechte und dann im Gebet unglaublich lahm und zahm! Von „zu ihm schreien“ kann keine Rede sein. Und von „allezeit“ bzw. „Tag und Nacht“ schon gar nicht. Entsprechend rührt sich nichts.

Anscheinend zeigt sich in der allgemein passiven und manchmal schier resignativen Haltung der Gemeinde kein „Glauben“, wie der Herr ihn sehen will. Immer, wenn wir im Gebet allzu leise, gebeugt, müde und anspruchslos auftreten, nehmen das weder der Himmel noch die Hölle ernst. Sogar unsere eigene Seele nicht.

Wollen wir wirklich, was wir wollen?

Viele Gebete werden sogleich, nachdem sie gesprochen sind, vergessen. Ich hab mich selbst immer wieder daraufhin überprüft. Ich ertappte mich dabei, wie ich dies und das betete – ohne jede Dringlichkeit oder Erwartung, dass diese Gebete erhört würden. Es war ein religiöses Beten um des Betens willen. Da ermahnte mich der Herr, dass dies keine akzeptable Haltung ist.

Ich erlebte es nicht nur bei mir selber, auch im größeren Rahmen etwa von Gebetstreffen. Wie vieles wurde gebetet, sogar prophezeit, was beim nächsten Mal schlicht vergessen war? Da kann es ja so wichtig nicht gewesen sein!

Noch größerer Rahmen: Die diesjährige Allianzgebetswoche thematisiert nicht die Erhörung der Gebete vom letzten Jahr. Man betet die „Punkte der Liste durch“ und ist fertig mit der Sache. Ob bei den Anliegen was passiert oder nicht, wird nicht nachgefragt. Was soll das für ein Gebet sein? Was für ein Glaube?

Ich empfehle, jedes einzelne Wort von Vers 7 für sich selbst durchzuchecken, was es damit auf sich hat und was ich mit „allezeit beten und nicht nachlassen“ verbinde, davon realisiere und erlebe. Die Worte: „Recht“, „auserwählt“, „Tag und Nacht“, „zu ihm schreien“ wollen im Einzelnen bedacht werden! Hier kommen sowohl ein Maß als auch eine Qualität zum Ausdruck, die wir vielleicht verloren, vielleicht auch nie erlangt haben. Aber der Meister ruft uns! In seinem Namen und seiner Kraft ist es möglich.

Als Jünger Jesu können wir uns m. E. keine Nachlässigkeit und keinen Kompromiss in Sachen Gebet erlauben.

„Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist!“ (Epheser 6,18)


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