Ein Mühlstein um den Hals

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„Jesus sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, dass nicht Verführungen kommen. Wehe aber dem, durch den sie kommen. Es wäre ihm nützlicher, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde, als dass er einem dieser Kleinen Anlaß zur Sünde gäbe! Habt acht auf euch selbst…“ (Lukas 17,1-3a)

Wieder sehr drastische Worte, die geradezu an Mafia-Methoden denken lassen, jemanden zu „entsorgen“.

Wörtlich heißt die Übersetzung des Wortes Verführungen „Anlässe zur Sünde“. Jemandem Anlass zur Sünde zu geben, ist also ein sehr schwerwiegendes Vergehen und kennt kein Pardon.

Vielleicht denken wir bei der Verführung an irgendwelche korrupten Politiker, Antichristen oder falsche Propheten, aber wie leichtfertig wird mit dem „Anlass-zur-Sünde-geben“ mitten in der Gemeinde umgegangen?!

Typische Szenen aus der Gemeindearbeit: eine Gruppe erhebt sich voller Anmaßung über die andere und einer weiß mit religiöser Arroganz besser, was Sache ist, als die anderen. Die Arglosen werden in Streitereien und Differenzen hineingezogen, die gar nicht ihre sind, müssen Partei ergreifen oder einfach den Kollaps ihrer Gemeinde erleiden, weil Machtgerangel oder Konkurrenz oder Besserwisserei oder negatives Gerede, oder, oder, oder… das Klima vergiften.

Tatsächlich finden wir im Internet zahllose Berichte von Christen, die aufgrund der Gemeinde – nicht der Welt – vom Glauben abgefallen sind und von Gott nichts mehr wissen wollen. Sie haben allerlei Formen von Missbrauch erlebt, die fromm kaschiert wurden, deren Folgen jedoch verheerend sind.

Ich fürchte, es ist Jesus selbst, der mancher Gemeinde den Mühlstein um den Hals hängt! Entsprechen „schwer“ bzw. belastet ist dort die ganze Atmosphäre.

Unsere Aufgabe besteht darin „auf uns selbst zu achten“. Alle Tage müssen wir uns selbst gemeinsam mit Jesus die Frage danach stellen, ob wohl wir jemandem Anlass zur Sünde geben. Vor allem unserem „Nächsten“, also unseren Kindern, Ehepartnern, Kollegen, usw. Sind wir für unsere Umgebung ein Anlass, ein Vorbild, eine Motivation zu Liebe, Frieden, Freude, Geduld, Freundlichkeit und all den genannten Qualitäten des Geistes in Galater 5,22, oder provozieren wir Streit, Parteiungen, Neid und all die in Galater 5,21 genannten Qualitäten des „Fleisches“?

Leider kann das Ego sich gut fromm tarnen und sich vergreifen und durchsetzen und „nach eitler Ehre trachten“ unter christlichem Deckmantel. Machtmenschen, die andere einschüchtern und dominieren, können auf der Karriereleiter der Gemeinde weit hochklettern, ohne dass sie konfrontiert werden, weil sich keiner traut.

Ich nenne diese Dinge nicht, um die Gemeinde per se zu diffamieren, aber um dafür zu sensibilisieren, dass die „Anlässe zur Sünde“ ganz leicht Eingang mitten in die Gemeinde finden – dorthin also, wo wir sie vielleicht nicht vermuten. Und dann winkt der Mühlstein…

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