Selbstsabotage

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Was bisher als fest und unumstößlich galt, wird heute rasend schnell aufgeweicht, aufgelöst und geht verloren – oder aber wird transformiert. Grundlegende Ansichten über die Wirklichkeit verändern sich, alles ist im Fluss.

Auf der einen Seite ist das in höchstem Maße verunsichernd und drängt dazu, instinktiv am Alten und Bewährten festzuhalten und seinen Bestand zu sichern. Das ist verständlich. Auf der anderen Seite birgt die Flexibilisierung und Erosion der starren Strukturen der Vergangenheit jedoch auch eine ungeahnte Chance auf Verwandlung und Erweckung. Das fordert uns heraus, „die Hand an den Pflug zu legen und nicht zurückzuschauen“ (Lk 9,62)

Da wir unentwegt mit Ablenkungen aller Art bombardiert werden und leicht vergessen können, worum es in Zeiten wie diesen auf dem Wege der Nachfolge Jesu geht, sollen meine Texte einerseits der Befestigung und Vertiefung dienen, andererseits sollen sie den Leser herausfordern, an die Grenzen zu gehen und über den Tellerrand des Gewohnten hinaus zu blicken.

Nachdem ich nun über dreißig Jahre lang Christ bin, eine Menge Erfahrungen im geistlichen Dienst sammeln konnte und eine ganze Reihe von Büchern geschrieben habe, sehe ich nach wie vor das größte Problem der Gemeinde nicht im Teufel, auch nicht in der „bösen Welt“, sondern in sich selbst. Wie ein Mensch sich selbst am besten täuschen kann, so kann das auch die Gemeinde, die für ihre eigenen Verkehrtheiten blind ist und kaum je auf die Idee kommt, einmal Jesus selbst danach zu fragen, wie er ihren Zustand beurteilt. Obgleich die Worte Jesu in der Bibel mit den sieben Sendschreiben an die sieben Gemeinden im Buch der Offenbarung enden, in denen er allen Gemeinden eine aktuelle Beurteilung zukommen lässt mit der stets gleichen Aufforderung, einerseits „zu hören, was der Geist den Gemeinden sagt“ und andererseits ihre eingespurten Routinen „zu überwinden“, neigt die Kirche/Gemeinde dazu, eben diese beiden Punkte zu übergehen und anstelle dessen ihre jeweilige Tradition zu hegen und zu pflegen. In den Satzungen und Statuten ist ein Hören auf den Geist nicht vorgesehen, so wenig wie die Selbstüberwindung, also geschieht es nicht. Und wo doch, gibt es Spannungen und Spaltungen.

Dass der Geist auch den Gemeinden von heute noch etwas Neues und Weiteres zu sagen hat, kommt manchen Theologen geradezu als Häresie vor, andere sprechen von Irrlehre oder Sektierertum. Und ja, fängt man einmal an, nach dem Geist und seiner Kraft zu fragen und wagt es, das Gewohnte und Gehabte, welches keine Kraft hat, zu hinterfragen und zu überwinden, gibt es Konflikte, das ist unvermeidlich. Es braucht Mut und Beharrungsvermögen, um eben doch dem Geist Raum zu geben und die Überwindung der überkommenen Strukturen voranzubringen – in sich selbst und in der Gemeinde.

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist. (Offenbarung 2,7)

Guten Appetit!

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