Der Weg des Rufes

clip_image002

Neulich las ich Folgendes:

„Irgendwann waren wir alle Sklaven unseres eigenen Lebens. Wir wissen nicht, was und wo wir (das höhere Leben in Freiheit) suchen müssen. Wir gewöhnen uns an die Sklaverei… Wir gehen ihren Weg, ohne zu fragen, warum. Wir peitschen uns selbst durchs Leben, zählen die Stunden, obwohl wir tief in unserem Herzen wissen, dass nur der schmale und schwierige Pfad der Weg in die Freiheit ist, der Weg des Rufes. Dennoch ziehen wir vor, im Dunkeln zu leben, umgeben von Fremden und mit gebundenen Händen.

Oft haben wir gehört, dass Freiheit gefährlich sein kann, also stehen wir nicht auf und sprengen unsere Fesseln nicht. Wir ziehen lieber den Kopf ein, leben unser Leben still und resigniert inmitten der Massen und können so die Stimme und den Ruf nicht hören. Und wenn wir sterben, sterben wir in aller Stille…

Doch keiner ist ein größerer Sklave als derjenige, der sich frei fühlt, ohne frei zu sein. Keiner ist ein größerer Sklave, als der, der den Ruf hört und dennoch aus Angst vor den anderen sein Herz für immer dem Ruf der Liebe verschließt.“

(Quelle: „Das Leuchten der Wüste“, Sergio Bambaren, Pendo Verlag in der Piper Verlag GmbH München/Berlin 2015, S. 116-117)

Nun sind diese Worte m. E. allseits bekannte Gedanken, geradezu Allgemeinplätze in Sachen „Freiheit“. Ja, sie braucht Mut, aufzustehen, Mut, sich von der Masse abzuheben und eigenständig zu denken; und den Mut, Fragen zu stellen über die eigene Bedeutung und den Sinn des Ganzen.

Aber da ist auch jener Hinweis auf den Ruf. Tatsächlich gibt es ihn, er ist keine Metapher. Und er versucht viel öfter und anhaltender, als wir vielleicht meinen, unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Die Welt ist laut, hektisch und voller Ablenkung, aber hinter dem Lärm ist eine Stille, in der der Ruf stets hörbar ist, ein ewiger Ruf, eine ewige Bestimmung, die Einladung zu einem entsprechend ewigen Leben, von dem wir nichts wissen, aber es alles über uns.

Es ist in der Nachfolge ein Weg zu gehen, in dem wir jene Stille kultivieren, in der wir den Ruf Gottes, den Ruf des Himmels immer wieder wahrnehmen und der uns eine neue Identität verleiht und uns zu „Berufenen“ macht – nicht nur als religiöse und philosophische Metapher, sondern ganz real.

Dem Ruf zu folgen, verändert unser komplettes Leben, gibt ihm Richtung und Bewegung, lädt es auf mit Inspiration und „Kraft von oben“. Der Ruf beschert uns eine persönliche Erweckung, in der wir immer wacher und bewusster werden. (Freiheit braucht das alles! Sklaven aber brauchen das nicht. Die Kirche der Sklaven bittet um die Kraft und die Hilfe, in der Sklaverei auszuharren und „durchzukommen“ – und segnet ihre Sklaventreiber…)

Also ist der Ruf von existentieller Bedeutung für uns.

Die Bibel ist voller Berichte von Menschen, die auf den Ruf eingingen und voller Warnungen, den Ruf zu ignorieren. Denken wir nur an das Gleichnis, in dem der König seine Boten sendet, seine Freunde zu rufen, zu seinem großen Abendmahl ins Schloss zu kommen, aber alle lassen sich entschuldigen, haben zu tun und können ihre Geschäfte nicht niederlegen, um dem Ruf zu folgen. So verwirken sie ihre göttliche Bestimmung, werden das Schloss nie von Innen sehen und die große Feier versäumen – sowie die Ehre, am Tisch des Königs zu sitzen und seine Freude zu teilen.

Und der Herr sprach zu seinem Knecht: Geh hinaus auf die Wege und an die Zäune und rufe (nötige!) sie, hereinzukommen, dass mein Haus voll werde; denn ich sage euch, dass nicht einer jener Leute, die geladen waren, mein Abendmahl schmecken wird. (Lukas 14,23-24)

Beachten wir das unangenehme Wort „nötigen“. Das zeigt, es geht nicht um ein Spiel, sondern ist dem König ernst. Er wird die große Feier nicht für uns verschieben. Der Termin steht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.